Teil 3: Nach der Übergabe

Der passende Nachfolger ist gefunden, wurde gut auf seine Aufgaben vorbereitet und das Unternehmen an ihn übergeben. Alles wunderbar, könnte man denken. Leider ist dem nicht immer so. Denn auch nach einer zunächst erfolgreichen Unternehmensübergabe können vielfältige Probleme auftreten, die ich Ihnen im letzten Teil der Serie Unternehmensnachfolge vorstellen möchte.

Der Nachfolger steht nun gegebenenfalls alleine, ohne Unterstützung des Übergebers an der Spitze des Unternehmens. Während des Übergabeprozesses wurde bereits auf Transparenz und den neuen Führungsstil des Nachfolgers geachtet. Dennoch mangelt es dem Nachfolger meist schlicht an Erfahrung im Bereich Unternehmensführung, was nicht ganz einfach ausgeglichen werden kann. Je länger jedoch der vorherige Übergabeprozess gedauert an und je genauer der Nachfolger ausgewählt und auf seine Arbeiten vorbereitet wurde, desto eher kann die fehlende Erfahrung ausgeglichen werden. Auch die Mitarbeiter können dabei eine große Stütze sein und ihm oder ihr vor allem bisherige informelle Regelungen und festgefahrene Strukturen näherbringen.

Allerdings muss sich der Nachfolger auf diese Art der Unterstützung auch einlassen. Gerade direkt nach der Übergabe zeigt sich, wie kooperativ der Nachfolger agiert. Führungsfehler, die in dieser Phase passieren, können nur schwer wieder ausgeglichen werden. Verliert man beispielsweise das Vertrauen der Mitarbeiter schon gleich am Anfang, lässt sich das meist nur mit großen persönlichen und zeitlichen Anstrengungen wiederherstellen.

Ein weiteres Problem kann sich von außerhalb ergeben, wenn die Stakeholder nicht involviert werden. Neben den Mitarbeiter sind das zum Beispiel Kunden, Anteilseigner oder auch Zulieferer, die ganz eigene Interessen haben. Hier gilt es ebenfalls, das Vertrauen aufrecht zu erhalten.

Für den Übergeber fängt nach der Übergabe ein völlig neues Leben an, sofern er oder sie auch loslassen kann. Häufig möchte der Übergeber auch weiterhin in alle Entscheidungen involviert sein und ein gewisses Mitspracherecht, etwa als Berater, genießen. Inwieweit der Vorgänger weiterhin einbezogen werden soll, muss bei der Übergabe möglichst genau abgeklärt werden. Das Loslassen kann natürlich zunächst richtig schwer fallen. Zum einen, da mit der Tätigkeit als Unternehmer häufig auch der Sinn des Lebens verknüpft war. In diesen neuen Lebensabschnitt muss man in gewisser Weise erst hineinwachsen und sich nach und nach zurechtfinden. Zum anderen muss der Übergeber natürlich auch über seine möglichweise veränderte Einkommenssituation nachdenken.

Sie sehen also, auch nach der Übergabe an sich ist die geregelte Nachfolge noch lange nicht abgeschlossen. Die Phase danach sollte daher ebenfalls in die frühzeitige Planung mit einfließen, um mögliche Probleme zu umgehen. Denken sie daran, wenn es in Ihrem Unternehmen demnächst um das Thema Nachfolge geht. Als Faustregel gilt: planen Sie mindestens 5 Jahre für die geregelte Unternehmensnachfolge ein!

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Veröffentlicht am 14.11.2013